Rufen Sie uns an:  00800 00123456
Digitaler Kolonialismus

Digitaler Kolonialismus

Vor kurzem hat Model View Culture einen sehr interessanten Artikel veröffentlicht mit der These dass sich große Technologiekonzerne immer mehr wie Kolonialherren verhalten. Wir fassen hier für Sie die wichtigsten Inhaltspunkte zusammen. Wer den ausführlichen Originaltext auf English lesen möchte, findet diesen hier.

Die Kolonialzeit reichte vom 16. Jahrhundert bis nach dem zweiten Weltkrieg. Sie wird oft romantisiert als eine Zeit der Entdecker und Abendteurer, doch in der Realität prägten Ausbeutung, Sklaverei, Völkermord und Menschenhandel die Zeit.
Technologie Unternehmen sind heute in ihrem Handeln immer mehr kolonial. Dies zeigt sich in verschiedenen Bereichen.

Eigenstaatlichkeit:

  • Technologie Unternehmen werden immer mehr wie eigenständige Staaten behandelt insbesondere unter dem Aspekt der “diplomatischen Beziehungen”. Unternehmer wie Mark Zuckerberg oder Jeff Bezos halten regelmäßig Vorträge, treffen sich mit internationalen Staatsoberhäuptern oder Ministern und arbeiten in einigen Bereichen zusammen mit der Regierung.
  • Obwohl Technologie Konzerne rechtlich in einzelne Unternehmen aufgespalten sind, können sie dennoch als einzelne souveräne Einheit agieren, da Produkte und Service immer mehr von einander abhängig und miteinander verwoben sind.
  • „Das Internet wird verschwinden” (Eric Schmidt) und ein nahtloser Teil unserer Erlebniswelt werden, sodass die Grenzen zwischen Realität, Technologie und Technologie Unternehmen unmöglich zu benennen sind. Wir bekommen ein auf uns zugeschnittenes Erlebnis, welche die Zentralisierung sehr privater Informationen kaschiert. Durch ein unsichtbares Internet, werden auch die Firmen, die all diese Informationen halten in jeder Hinsicht unsichtbar.

Globaler Fußabdruck:

  • Technologie Konzerne haben Nutzer in der ganzen Welt. Firmen wie Google und Facebook sind letztendlich Werbeunternehmen; mehr Nutzer zu gewinnen ist entscheidend für die Zufriedenstellung von Investoren.
  • Im Zuge ihrer Expansionspolitik kommen die Unternehmen regelmäßig in Konflikt mit Staaten. Ein Beispiel ist die Beziehung zwischen China und Google, dass nach einer Auseinandersetzung über Zensur seine Büros nach Hongkong ausgelagert hat. Seitdem Seitdem blockt China regelmäßig Google und Gmail
  • Falls Firmen wie Google und Facebook erfolgreich sind, sorgen sie für riesige Erträge, die aus der ganzen Welt nach Silicon Valley strömen und die Gemeinden dort bereichern. Diese Zentralisierung der Wirtschaftskraft wird aber auch von einer Zentralisierung der Daten begleitet und wenige Dinge sind so persönlich wie Emails, Einträge in Sozialen Medien oder Suchhistorien. Der neue Imperialismus stützt sich auf persönliche Daten.
  • Problem: Technologiefirmen agieren international, Datenschutzbestimmungen jedoch sind nur innerhalb nationale Grenzen gültig.

Kulturelle Dominanz:

  • Europäische Kolonialherrscher haben Einheimische auf der ganzen Welt unterdrückt mit dem Glauben der weiße Mann sei die überlegenere Rasse. Dasselbe Verhalten spiegelt sich im elitären Verhalten der Technologiewelt und der Männer an ihrer Spitze wieder. Die Services von Facebook, Twitter und Google werden überwiegend von Frauen und Minderheiten genutzt, deren Daten und Benutzerverhalten gewinnbringend verkauft werden und doch wird es gerade ihnen oft schwer gemacht in der Technologie Branche Karriere zu machen.
  • Kolonialismus wurden angetrieben vom Wunsch Handel mit fernen Ländern zu betreiben. Kolonisatoren haben den wirtschaftlichen Wert im Austausch erkannt, aber alle Transaktionen basierten immer auf einer Ungleichheit.
  • Diese koloniale Mentalität hat in den USA auch zu einem Missbrauch der Einwanderungsgesetze geführt. International agierende Technologie Konzerne haben die Möglichkeit ausländische Arbeitnehmer mit einem L-1 Visum in die USA zu transferieren, anstatt einen normalerweise nötigen H1-B Visum. L-1 Visa sind nicht vom Staat limitiert und verpflichten Firmen auch nicht den Angestellten branchenübliche Gehälter zu zahlen, sodass eine Ausbeutung der ausländischen Arbeitnehmerschaft ermöglicht wird.

Über dem Gesetz:

  • Technologie Unternehmen werden zwar genau untersucht, aber agieren doch größtenteils unreguliert. Dies liegt daran, dass die breite Masse nicht versteht wie technische Geräte und Dienstleistungen funktionieren und Firmen die Unwissenheit zu ihrem Vorteil ausnutzen können.
  • Dazu kommt dass Polizei und andere staatliche Organe oft ein eigenes Interesse an bestimmten Services hat, sodass dieses Verständnis oft in Gesetzesverletzungen resultiert und das Resultat wichtiger gewertet wird. Ein gutes Beispiel ist Google’s Rechtsstreit über Copyright im Zuge des Google Books Projektes.
  • Weitere Rechtsverletzungen betreffen Lenovo, das die Sicherheit und Privatsphäre seiner Kunden verletzte indem es ein Adware Programm vorinstalliert hat oder Uber, welches sich regelmäßig über lokale städtische Verordnungen hinwegsetzt.

Folge: Investigativer Journalismus ist dringend notwendig:
Technologie Unternehmen werden ihren Einfluss weiter ausbauen, da es Teil ihrer Kompetenz und Branchenkultur ist. Obwohl Technologiekonzerne ohne ihre Kunden nicht überleben können, wird oft eine gewisse Verachtung für genau diese Kunden sichtbar und sie werden oft unwissend als Versuchskaninchen benutzt.
Bis jetzt wurde Missbrauch meist von Technologie Fachleuten aufgedeckt, doch auch die Presse hat hier eine Pflicht, der bis jetzt wenig nachgekommen ist.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Back To Top