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Teil 3 – Die Telefonie und die technischen Entwicklungen

Beitragsserien: Geschichte der Telekommunikation

Nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs waren die Menschen sich einig: einen Krieg wird es niemals wieder geben. Sie konzentrierten sich auf eine Zukunft voller Zusammenarbeit, Fortschritt und Hoffnung. Die technischen Entwicklungen dieser Zeit spiegelen diese positiven Gefühle wieder: Flugzeuge wurde größer und konnten größere Entfernungen zurücklegen; Kommunikationstechnologien wie Hörfunk und Fernsehen brachten die Welt zu den Menschen nach Hause.

Durch die schon fortgeschrittenen Entwicklungen im Radiobereich profitierte auch das Telefon und eroberte schnell die Welt. Im März 1926 gab es das erste transatlantische Telefongespräch zwischen London und New York City. Schon ein Jahr später, am 7. Januar 1927, wurde der erste kommerzielle Telefonservice zwischen London und New York bereitgestellt. All dies begann mit einem Gespräch zwischen dem Präsidenten von AT & T, S. Gifford, und Sir Evelyn P. Murray, dem Sekretär des General Post Office von Großbritannien.

Während dieses Gesprächs erklärte Gifford, er wolle einen Telefonservice zwischen New York und London eröffnen und den Menschen so die Möglichkeit geben, Gespräche über eine so große Entfernung zu führen. Gifford war der Ansicht, dass die Menschen in New York und in London „Nachbarn“ werden sollten. Aus diesem Gespräch wird ersichtlich, welche Hoffnungen und Erwartungen man in diesen Kommunikationskanal legte. Menschen sollten nicht nur näher zueinander gebracht werden, sondern sollten auch vom globalen technischen und wirtschaftlichen Fortschritt profitieren. „Niemand kann die ultimative Bedeutung dieser neusten Errungenschaft einschätzen „, sagte Gifford.

Giffords Erwartungen erfüllten sich schnell – die ganze Welt wurde näher zusammen gebracht. Am 3. April 1930 wurde der transozeanische Telefondienst nach Argentinien, Chile und Uruguay ausgeweitet, und bald darauf folgten die anderen südamerikanischen Länder. Nur 5 Jahre später war die Welt per Telefon und Funkkommunikation verbunden. Am 15. April 1935 sprach der Präsident Herr Gifford mit dem Vizepräsidenten von AT & T, Herrn Miller und dieser Anruf ging über die „längste Telefonleitung der Welt“, obwohl die beiden nur 15 m voneinander entfernt im Büro saßen.  Hierzu wurden knapp 37015 km Telefonleitungen verwendet.  London und Java sollten die Ortszeiten durchgeben – mit dem britischen Anbieter scherzte Gifford sogar noch. Trotz einiger Komplikationen, z.B. wurde Amsterdam aus der Leitung geworfen, war der „Telefonanruf um die Welt“ ein voller Erfolg.

Kabel und Leitungen lagen über die ganze Welt, aber dennoch war die Kommunikation über die Weltmeere nur über Funktechnik möglich. Alle Anstrengungen Kabel im Meer zu verlegen missglückten – erst im Jahre 1956 gelang es, ein Kabel zwischen Schottland und Neuschottland zu verlegen.

Telefonisten

Mit dem Fortschritt des Telefon entwickelte sich schnell ein neuer Beruf: der des Telefonisten. Im 19. Jahrhundert waren die ersten Telefonisten männliche Jugendliche, allerdings waren diese Teenager oft unhöflich und widerspenstig, so dass die Telefongesellschaften schnell beschlossen, doch lieber Frauen für diese Tätigkeit einzusetzen. Telefonistinnen waren nicht nur freundlicher, sondern verdienten auch weniger. Die ersten  Telefonistinnen waren die Schwestern Emma und Stella Nutt, die im Jahre 1878 von der Boston Telephone Dispatch beschäftigt wurden.
Da Telefonbetreiber in direktem Kontakt mit der Öffentlichkeit standen, mussten sie ein positives Bild nach außen hin darstellen. Hierfür wurden die Telefonistinnen nicht nur in technischen Raffinessen, sondern auch in Haltung und Ansprache geschult.
Zu Anfang gab es für die Telefonistinnen kaum etwas zu tun und der Job war ziemlich einfach, jedoch nahm der Arbeitsumfang rasant zu. Ab 1910 konnten die Telefonistinnen ihre Augen so gut wie gar nicht mehr von der Schalttafel nehmen.

Um die Arbeit der Telefonistinnen zu vereinfachen, entwickelten die Telefonanbieter automatisierte Schalttafeln. Mit diesen Schalttafeln konnten Anrufer eine Verbindung ohne den Eingriff einer Telefonistin herstellen. Obwohl immer mehr automatische Schalttafeln im Einsatz waren, wurden mehr und mehr Telefonistinnen benötigt. In den späten 40-ern beschäftigte AT & T  350.000 Damen. Erst ab den 50-ern nahm die Anzahl der Telefonistinnen ab, Maschinen übernahmen diese Arbeit. Die Telefonisten wurden nur noch benötigt, um Ferngespräche anzunehmen.

Ende der 1930er Jahre hatte das Telefon die Welt tatsächlich näher zusammengebracht. Leider wurden nicht nur „Freunde und Nachbarn“ zusammengebracht, wie es einst Giffords Hoffnung war – ganz im Gegenteil: Es drohte ein neuer Krieg. Welche Auswirkungen dieser Krieg auf die weitere Entwicklung der Telekommunikation hatte, wird in unserem nächsten Blog-Post dargelegt.

 

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